Nach zwölfjähriger Tätigkeit des Berliner Fördervereins werden erstmals "Wissenschaftliche Mitteilungen" veröffentlicht. Das erste Heft ist dem wissenschaftlichen Werk des Gelehrten Prof. Dr. sc. Wolfgang Jahn (1922-2001) gewidmet. Der Nestor der Marx-Engels-Edition und -Forschung an den Universitäten und Hochschulen der DDR seit Mitte der 1960er Jahre hatte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine interdisziplinäre Forschungsgruppe aufgebaut, die in den 1970/80er Jahren als leistungsfähigster Hochschulpartner der Berliner und Moskauer MEGA-Herausgeber galt. Jahn war der geistige Mittelpunkt und Motor eines Projektes, das sich besonders auf die marxsche Schaffensperiode von 1850 bis 1863 konzentrierte. Als wichtigsten Ausgangspunkt für die Erforschung dieser Periode betrachtete er die umfassende Beschäftigung mit der Genesis der Kategorien des Kapital. |
Die Beiträge des Heftes reflektieren die politökonomischen Debatten in der Marx-Engels-Forschung in der DDR der 1970/80er Jahre. Zugleich zeichnen sie wichtige Zäsuren in Wolfgang Jahns Leben nach. Dabei werden Brücken von Moskau über Berlin und Halle bis Hannover und Frankfurt/M. gebaut, die in der Zeit vor 1989 so selbstverständlich nicht waren. Jahn war konsequent in seinem Anspruch, den ganzen Marx zu rekonstruieren. Deshalb setzte er sich dafür ein, dass die MEGA² in Ost und West Akzeptanz und Eingang in die wissenschaftliche Community fand. |
Das zweite Heft enthält eine biografische Studie. Erstmals wird damit durch das Vereinsmitglied Heinrich Gemkow eine umfassende Biografie des Marx' und Engels' Vertrauten Sigismund Ludwig Borkheim (1826-1885) vorgestellt. Borkheim, aus jüdischem Elternhaus stammend, wurde in der bürgerlich-demokratischen Revolution 1848 zum Rebellen und landete wegen Hochverrats im Gefängnis. 1849 kämpfte er in der badischen Volkswehr für ein demokratisches Deutschland - Grunderlebnisse für sein künftiges politisches Engagement. |
Das dritte Heft von Dieter Wolf und Heinz Paragenings enthält Beiträge zur »Kapital«-Diskussion.
Dieter Wolf nimmt eine ausführliche Kritik an der von Helmut Reichelt und Hans-Georg Backhaus entwickelten Wertinterpretation vor. Um den Doppelcharakter der Arbeit anders zu begreifen als die beiden, kommt es Wolf auf den Unterschied zwischen der stofflichen und der historisch gesellschaftlichen Seite der Arbeit an.
Heinz Paragenings analysiert auf der Grundlage qualitativer Bestimmungen der Kategorien der Marx’schen Werttheorie die Verwandlung der »Embryonalform« des Werts als Resultat des unmittelbaren Produktionsprozesses in die weiterentwickelte Form des Produktionspreises in dessen Verbindung mit dem
Profit und Kostpreis.
Mit der Publikation sollen Impulse für die weitere Diskussion gegeben werden, insbesondere nach der Ende 2003 erfolgten Edition von Marx' und Engels' Manuskripten und redaktionellen Texten zum dritten Buch des Kapitals von 1871 bis 1895 im MEGA²-Band II/14. |
Im vierten Bändchen von Erhard Kiehnbaum werden dreißig Briefe der als Aktivistin der deutsch-amerikanischen Frauenbewegung bekannten Mathilde Franziska Anneke aus den Jahren 1846 bis 1849 veröffentlicht. Sie datieren aus den schweren Jahren nach der von ihr herbeigeführten Scheidung von ihrem ersten Mann, in denen sie für sich und ihr Töchterchen ihren Lebensunterhalt als Schriftstellerin in Münster verdienen musste, der Zeit an der Seite von Friedrich Anneke als Herausgeberin und Redakteurin der Neuen Kölnischen Zeitung und der Frauen-Zeitung in Köln und schließlich den ersten Monaten der Emigration in der Schweiz. Bereits in diesen eindrucksvollen, frühen Briefen tritt sie dem Leser als selbstbewusste, emanzipierte Frau entgegen. |
Das fünfte Bändchen von Richard Sperl trägt den Titel "Edition auf hohem Niveau". Die MEGA genießt internationale Anerkennung nicht nur unter Historikern, Ökonomen, Philosophen und Politikwissenschaftlern, sondern auch unter Sprach- und Editionswissenschaftlern. Der Autor, maßgeblich an der Ausarbeitung der Editionsrichtlinien der MEGA beteiligt, erläutert, welche editorische Konsequenzen sich aus der literarischen Zusammenarbeit zweier Autoren ergeben und warum die MEGA in vier Abteilungen untergliedert ist. Begründet werden die Prinzipien der Ausgabe: Vollständigkeit, Authentizität und Kritik des Textes sowie die Textentwicklung. Besonders ausführlich wird der bisher unbekannteste Teil des Nachlasses vorgestellt: Exzerpte, Notizen und Marginalien. |
In diesem sechsten Sammelband werden wichtige Aspekte der wissenschaftlichen Darstellung der gesellschaftlichen Praxis behandelt, soweit sie Gegenstand der ersten Kapitel des ersten Bandes des Kapitals sind. Mit der Betonung der gesellschaftlichen Praxis wird auf den ebenso selbstverständlichen wie grundlegenden Sachverhalt verwiesen, dass die ökonomisch gesellschaftlichen Strukturen von den Menschen in ihrem Verhalten zueinander und zur Natur auf eine bestimmte unbewusst-bewusste Weise geschaffen und gestaltet werden.
Der Zusammenhang von ökonomisch- gesellschaftlichen Strukturen und dem Handeln der Menschen zeichnet sich als gesellschaftliche Praxis durch bestimmte, mit dem Kapitalverhältnis gegebene Eigentümlichkeiten aus. Die methodische Verfahrensweise der Darstellung, mit der die gesellschaftliche Praxis erklärt werden soll, muss sich, um diesen Eigentümlichkeiten gerecht zu werden, ebenfalls durch ganz bestimmte Eigentümlichkeiten auszeichnen, die für ihren wissenschaftlich rationalen Charakter verantwortlich sind. Auf welche wissenschaftlich-rationale Weise im Kapital die durch die besondere gesellschaftliche Praxis gegebenen Probleme gelöst werden, wird detailliert an Hand einer Auseinandersetzung mit repräsentativ ausgewählten Kapital-Interpretationen an konkreten Schritten der Darstellung der ökonomisch-gesellschaftlichen Formen nachvollzogen.
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| Folgende Hefte der "Wissenschaftliche Mitteilungen" sind bisher erschienenen: |
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