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  BMEF. Neue Folge. 1998

Editorial

 

 

Herausgeber und Beirat der Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge luden – in Verbindung mit dem Berliner Verein zur Förderung der MEGA-Edition e.V. und der Marx-Gesellschaft e.V., Hamburg – im März 1998 erstmals zu einem Arbeitstreffen mit Autoren und Interessierten. Unter dem Akzent des Wechselspiels von Geschichte und Ökonomie standen Marx' Lesefeld, Lesarten seiner Texte im historischen und aktuellen Kontext, historische Anlässe und Kommentierungen erläuternder Leseausgaben seines Hauptwerks und schließlich Marx' unmittelbarer Kontakt als Zeitungsredakteur zum Leser zur Debatte. Die überarbeiteten und erweiterten Hauptbeiträge werden hiermit – im achten Jahresband der Beiträge – vorgestellt.

In den beiden ersten Aufsätzen geht es um Marx' strittiges Krisenkonzept. Der bei den früheren Kontroversen erreichte Konsens, daß keine konsistente Erklärung der Krisen und des industriellen Zyklus vorliegt, vielmehr Marx' Position aus seinen unfertigen Texten zu rekonstruieren ist, bewirkte, daß das 1993 im MEGA²-Band II/4.2 erstmals veröffentlichte Marxsche Manuskript zum dritten Buch des Kapital umgehend als originäre und aufschlußreiche Textgrundlage angenommen wurde. Entsprechende Erwartungen knüpfen sich an die baldige Veröffentlichung von Marx' Heften mit den Konjunkturdaten der Weltwirtschaftskrise von 1857/58, mit deren redaktioneller Bearbeitung für den MEGA²-Band IV/14 begonnen worden ist und wozu die erste umfangreiche Studie vorliegt. Selbst die nachfolgend vorgestellten neuen Forschungsergebnisse zu Marx' Redaktion der Neuen Rheinischen Zeitung haben neben ihrem – vom Autor verfolgten – Wert sui generis insofern eine krisentheoretische Relevanz, als Marx und Engels mit ihren dortigen politisch-ökonomischen Revuen doch erstmals Konjunkturberichte veröffentlichten.

 
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Die Wahl der Textgrundlage bei Marx-Engels-Editionen galt bis vor wenigen Jahren noch als eminent ideologische Angelegenheit, insbesondere, sobald es sich um von Marx verfaßte und durch Engels neu aufgelegte Texte handelte. Ein Beitrag schildert vornehmlich die politischen Umstände der von Karl und Benedikt Kautsky 1929 und vom Moskauer Marx-Engels-Lenin-Institut 1933/34 veröffentlichten Volksausgaben des dritten Bandes des Kapital, den vergeblichen Spagat der Herausgeber dieser Volltextausgaben zwischen originalgetreuer Reproduktion des Textes und seiner 'volkstümlichen' Aufbereitung.

Sich aus Marx' Lesefeld – dessen ungemeine Breite der im Dezember 1998 erschienene, in der deutschen Presse eine große Resonanz findende MEGA²-Band IV/3 mit Exzerpten aus den Jahren 1844/45 wiederum bezeugt – den englischen Sensualisten John Locke herauszugreifen, bedeutet komplexe Zusammenhänge anzugehen. Der Autor dieses Beitrags kommt zum Ergebnis, daß Marx Lockes Konzeption einer "Einheit von Theorie und Gesellschaft" als allgemeine Theorie bürgerlichen Liberalismus begreift und ablehnt.

Weiter enthält der Band in seinem zweiten Teil neben einer Palette von interessanten Themen – u.a. zu Marx' ökonomisch-qualitativer Kritik an Ricardos Außenhandelstheorie, nach Meinung des Autors bislang nicht rezipiert, zu Marx' Vorstellungen zur Geheimdiplomatie und Engels' Haltung zum Slawismus sowie zur Diskussion des marxistischen Geschichtsbegriffs in Italien – einen informativen Block zu ostasiatischen Schwerpunkten und Fragestellungen in der Marx-Engels-Forschung und -Edition. Die drei Berichte deutlichen, daß die MEGA² sich in der Forschung als neue Textgrundlage gegenüber früheren Editionen immer stärker durchsetzt. Die japanische Diskussion zu Buch III des Kapital hat durch die schon erwähnte Erstveröffentlichung von Marx' Originalmanuskript und die derzeitige Bearbeitung weiterer noch unveröffentlichter Entwürfe von Marx zu Buch II und III sowie der redaktionellen Unterlagen von Engels einen bemerkenswerten Aufschwung genommen. In Südkorea, wo der Besitz Marxscher und Engelsscher Schriften noch bis vor kurzem nur zu definierten Forschungszwecken erlaubt war, ansonsten unter Strafe stand, hat man sich insbesondere den "Frühschriften" zugewandt. Gewiß ist von Vorteil, daß sich die Forscher dabei ohne Umwege auf die authentischen Texte der MEGA² stützen können. Verständlicherweise wird bedauert, daß Band I/5 mit der Deutschen Ideologie bislang nicht erschien. In China schließlich bildet die MEGA² die Textgrundlage für eine überarbeitete, zweite Marx-Engels-Werkausgabe. Ihr Vorlauf allerdings schrumpft zusehends, weshalb für die nächsten Jahre große Hoffnung auf ein wieder kontinuierliches Erscheinen von MEGA²-Bänden gesetzt wird.

 
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