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Sollten sich die Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge auf der Höhe der Diskussion bewegen, war es kaum zu vermeiden, daß das sogenannte Transformationsproblem bei Marx auch einmal Schwerpunkt eines Bandes sein würde. Allen periodischen Resümees zum Trotz, die immer wieder Erschöpfungszustände konstatierten, lebt der Diskurs zum Verhältnis WertPreis im Kapital fort und ist bis auf den heutigen Tag durch eigene Tagungen und zahlreiche Publikationen präsent. Dafür gibt es reichlich Gründe, "bewährte" alte, doch auch neu hinzugekommene.
Einerseits ist noch immer kein Konsens in den der Problematik vorgelagerten, mitunter schon vor hundert Jahren aufgeworfenen grundsätzlichen Fragen der Interpretation der Marxschen Ökonomie erzielt worden. Handelt es sich beim Kapital in erster Linie um eine alternative politische Ökonomie des Kapitalismus oder um Kritik der politischen Ökonomie? Geht es demzufolge mehr um quantitative oder um qualitative Fragen bzw. wie sieht das Verhältnis zwischen beiden aus? Ist die Arbeitswerttheorie als eine theoretische Konstruktion redundant, indem sie nicht für die Preiserklärung benötigt wird, oder ist sie als unerläßlich rehabilitierbar? Ist die Transformation WertPreis ein irreparabler Konstruktionsfehler oder ein Scheinproblem? Ist es methodisch überhaupt legitim, Marx Fehlerhaftigkeit nachzuweisen mit mathematischen Modellen, die erst lange nach ihm entwickelt wurden?
Andererseits hat in den letzten zehn Jahren unter dem Eindruck der politischen Ereignisse wohl die Lagermentalität der Diskurs-Teilnehmer an Dominanz verloren, so daß man sich mehr erwägend statt abwehrend ernst nimmt. Schließlich begann bei etlichen Autoren mit dem Fortschritt der historisch-kritischen Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA), speziell in der zweiten Abteilung mit Marx' Kapital-Entwürfen, die Sicherheit zu schwinden, ihr Urteil auf absolut verläßlicher Textgrundlage gefällt zu haben. Insbesondere das 1992 erstmals veröffentlichte Marxsche Original zum dritten Buch von 1864/65 (MEGA² II/4.2) hat verdeutlicht, daß ein Fortschritt des Diskurses wesentlich davon abhängt, aus den bewerteten Herausgebertexten von Engels zunächst den authentischen Marx eines Jahrgangs herauszuarbeiten, um dann den Marx von 1864/65 mit dem von 1867/68 oder mit dem 1875 im noch unveröffentlichten Manuskript Mehrwerthsrate und Profitrate, mathematisch behandelt (MEGA² II/14) ausgesprochen quantitativ argumentierenden zu konfrontieren, d.h. Marx als mit sich selbst bis zuletzt nicht im reinen zu lesen. Die Beschäftigung mit Marx' Entwurf zum dritten Buch von 1864/65 hat erheblich zugenommen und zu neuen Überlegungen und Einsichten geführt. |
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Diese Palette von Gründen für die anhaltende Diskussion bestimmt auch die Themenwahl und den Zugang der vorliegenden, nicht im einzelnen zu referierenden Aufsätze. Noch immer scheint es sinnvoll, Aspekte der Marxschen Wertbestimmung mit der von Bortkiewicz zu vergleichen, nun allerdings unter Einbeziehung der Marxschen Manuskripte von 1857/58 und 1861/63. Nicht von ungefähr trägt einer der vorliegenden Aufsätze ständig auf den MEGA²-Band II/4.2 verweisend den anziehenden Titel "Value and Price of Production: New Evidence on Marx's Transformation Procedure".
Neben den Beiträgen zur Transformationsproblematik enthält der Band weitere Texte, in denen eine neue Materiallage reflektiert wird. Ein Aufsatz zur Kritik angelsächsischer Geld- und Einkommenstheorien fordert, aufgrund von Manuskript I zum zweiten Buch (MEGA²-Band II/4.1) Marx' Reproduktionstheorie neu zu rekonstruieren. Das läßt ahnen, daß die Edition auch der anderen Marxschen Manuskripte zum zweiten Buch mit großem Interesse erwartet noch zu wichtigen Diskussionen Anlaß geben wird. Weiter geht es um Fragen der Wertformanalyse, um Marx' diesbezügliche Ergänzungen und Veränderungen von 1871/72 für die zweite deutsche Auflage des ersten Bandes des Kapital (MEGA² II/6), um Aspekte der Fetischismus-Kontroverse, insbesondere um den Stellenwert und den eigentlichen Ort desselben im Kapital, um erkannte Mängel bei Marx' Behandlung der Grundrente im Manuskript 1864/65 und ihre Kaschierung durch Engels 1894.
Mathematische Formalisierungen das wird an allen Aufsätzen des Bandes deutlich tragen können zweifelsohne zur Klärung von Wert- und Preis-Problemen beitragen und sind daher notwendig. Das heißt jedoch nicht, daß sich Marx' Kritik der politischen Ökonomie auf die Formulierung quantitativer Beziehungen reduzieren läßt. Diese sind vielmehr Mittel eines übergreifenden Projekts: der Kritik der grundlegenden Kategorien der politischen Ökonomie, der Kritik der "verzauberten Welt" des Kapitals. | |