|
| Einführung |
| (Entwurf) |
Im geplanten sechsten Sonderband werden die Kurzbiographien von rund 500 Marx-Engels-Editorinnen und Editoren vorgestellt, die zwischen 1924 und 1990 an der Herausgabe folgender Marx/Engels-Gesamtausgaben beteiligt waren: MEGA¹, Sočinenija¹, Sočinenija², MEW und MEGA², die von den Parteiinstituten der KPdSU und der SED in Moskau (MEI/IMEL/IMLM) und in Berlin (IMLB/IfGA) und ihren direkten Kooperationspartnern veröffentlicht wurden.
In den biographischen Angaben soll vor allem der individuelle Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Redaktion, Leitung, Zuarbeit, Begutachtung, Quellenermittlung und drucktechnischen Herstellung dieser Ausgaben widergespiegelt werden.
Das Jahr 1924 bildet den Beginn der Editionsarbeit an der ersten MEGA, das Jahr 1990 markiert eine tiefe gesellschaftliche Zäsur in den Herausgeberländern der zweiten MEGA, in deren Gefolge die Herausgeberschaft (Edition) an die Internationale Marx-Engels-Stiftung (IMES) überging. Die vorgestellten Biographien können unterschiedlicher nicht sein; sie umfassen drei Editorengenerationen, wobei die erste Generation von den nachfolgenden weitgehend durch stalinistische "Säuberung" und Zweiten Weltkrieg getrennt wurde. Auch die Nachkriegsgenerationen haben unterschiedliche Lebenswege beschritten. Das Projekt der MEGA² hat jedoch von Ende der 1960er Jahre bis 1990 viele der beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Moskau und Berlin schrittweise zusammengeführt, was sich auch in vielen Biographien zeigt. Das Jahr 1990 bildet den Abschluss der ersten Etappe in der Geschichte der MEGA², in der fast 50 Bände ediert wurden. Zugleich markiert es den Abbruch der wissenschaftlichen Editions- und Forschungstätigkeit in vielen Biographien. Der vorliegende Band soll deshalb eine "Sicherungsarbeit" leisten und die Biographien, soweit sie ermittelt werden konnten, festhalten und der "Betriebsgeschichte" der MEGA hinzufügen.
So ist der hier präsentierte Band kein allgemeines Nachschlagewerk über den gesamten mit Marx-Engels-Edition befassten Personenkreis, sondern vielmehr eine Ergänzung der bisher in den Beiträgen zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge veröffentlichten kritischen Darstellung von entscheidenden "Bausteinen" der Geschichte der Marx/Engels-Editionen der genannten Parteiinstitute. Ob Rjazanov als spiritus rector der ersten MEGA (Sonderband 1), die internationale Kooperation zur Herausgabe der ersten MEGA (Sonderband 2), die Diskussionen um die Marxsche ökonomische Theorie in den 1920er Jahren (Sonderband 4), die "Einschläferung" der ersten MEGA unter dem Stalinismus der 1930er Jahre (Sonderband 3) oder die Herausgabe der zweiten russischen Marx/Engels-Werkausgabe und die der deutschen MEW bis 1968 (Sonderband 5) all diese Vorgänge vollzogen sich im historischen Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Anspruch und ideologisch geprägter Parteilichkeit, wie es gleichermaßen für die MEGA² von 1975 bis 1990 charakteristisch war (siehe die Aufsätze in Zur Kritik und Geschichte der MEGA² [NF 1992] und Marx-Engels-Forschung im historischen Spannungsfeld [NF 1993]).[1] Die Editionsgeschichte war also nicht allein eine "philologische" Angelegenheit, sondern ebenso eine politische. In diesem Zusammenhang müssen auch die Biographien der Akteure gesehen werden.
Mit dieser projektmäßigen, institutionellen und zeitlichen Eingrenzung des erfassten Personenkreises sollen keineswegs die Leistungen der vielen Editoren und Wissenschaftler anderer Institutionen und anderer Länder geschmälert oder gar ignoriert werden, die auf dem Gebiet der Marx-Engels-Edition und der Marx-Engels-Forschung im 20. Jahrhundert gewirkt haben und die bei einer generellen Erfassung unbedingt anzuführen wären.
Während die erste MEGA dem Stalinismus und der faschistischen Gewaltherrschaft zum Opfer fiel, wurde die zweite MEGA im Ergebnis der gesellschaftlichen Umbrüche in der DDR und der UdSSR nicht eingestellt. Nach der im Mai 1990 erfolgten Konstituierung der IMES in Amsterdam und der 1992 vorgenommenen Revision der Editionsrichtlinien erscheinen seit 1998 wieder in regelmäßiger Folge Bände der MEGA². Sie wird nunmehr fortgesetzt von einem neuen Editorenteam, wird in einem internationalen
Netzwerk und in akademischen, parteienunabhängigen Institutionen erarbeitet und herausgegeben.[2] Diese neue Etappe in der Marx/Engels-Edition wird hier nicht einbezogen, ihre Dokumentation bleibt späteren Darstellungen vorbehalten.
[1] Hier sei auf weitere (außerhalb der BzMEF.NF erschienene) Veröffentlichungen zur MEGA-Geschichte verwiesen: Jürgen Rojahn: Aus der Frühzeit der Marx-Engels-Forschung: Rjazanovs Studien in den Jahren 1907-1917 im Licht seiner Briefwechsel im IISG. In: MEGA-Studien 1996/1, S. 365; Rolf Hecker: Die Verhandlungen über den Marx-Engels-Nachlaß 1935/36. Bisher unbekannte Dokumente aus Moskauer Archiven. In: MEGA-Studien 1995/2, S. 325; drslb.: Marx/Engels-Dokumente dem "IMEL zugeführt". Zur Requirierungsaktion des Moskauer Marx-Engels-Lenin-Instituts 1945/46. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung (BzG), Berlin, 3/1997, S. 6881; Annette Vogt: Emil Julius Gumbel (1891-1966): der erste Herausgeber der mathematischen Manuskripte von Karl Marx. In: MEGA-Studien 1995/2, S. 2641; Rolf Dlubek: Die Entstehung der zweiten Marx-Engels-Gesamtausgabe im Spannungsfeld von legitimatorischem Auftrag und editorischer Sorgfalt. In: MEGA-Studien 1994/1, S. 60106.
[2] Siehe Jürgen Rojahn: Und sie bewegt sich doch! Die Fortsetzung der Arbeit an der MEGA unter dem Schirm der IMES. In: MEGA-Studien 1994/1, S. 531; Jacques Grandjonc, Jürgen Rojahn: Der revidierte Plan der Marx-Engels-Gesamtausgabe. In: MEGA-Studien 1995/2, S. 6289; Hans-Peter Harstick, Manfred Neuhaus: Die Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA). In: SOWI, H. 3/99, S. 228233; einige weitere aktuelle Veröffentlichungen noch ergänzen.
|
 |
| Bei der Gestaltung der Biographien stieß die Redaktion auf unterschiedliche Probleme, die vor allem die Einheitlichkeit der Darstellung erschwerten. In erster Linie ist hier die unterschiedliche Quellenlage zu nennen. Dankenswerterweise haben viele ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Kurzbiographien selbst eingereicht (Selbstauskunft). Die redaktionellen Eingriffe beschränkten sich in diesen Fällen auf eine lexikalische Vereinheitlichung, einschließlich der Eingrenzung von Selbstdarstellungen. Die biographischen Angaben sollen vor allem die Mitarbeit an den Marx/Engels-Editionsvorhaben erfassen. Angaben zur Ausbildung und zum beruflichen Werdegang werden in verknappter Form vorgestellt. Verzichtet wurde auf Angaben zu staatlichen oder gesellschaftlichen Auszeichnungen, auf Parteimitgliedschaften und Parteischulbesuch (wenn nicht ausdrücklich gewünscht oder der Besuch mit einem Diplom oder Staatsexamen abschloss) und auf gesetzliche Wehrdienstzeiten. Da eine große Anzahl der Editorinnen und Editoren bereits verstorben ist, andere nicht erreichbar oder nicht zur Mitarbeit zu bewegen waren, musste die Redaktion in diesen Fällen durch archivalische, bibliografische oder personelle Recherchen Daten ermitteln. Sie blieben häufig unvollständig, so dass die Angaben auf die Mitarbeit an den einzelnen Bänden beschränkt blieben. Daraus ergibt sich nicht zuletzt der recht unterschiedliche Umfang und Aufbau der einzelnen Annotationen.
Die Kurzbiographien gliedern sich in persönliche Angaben, Ausbildung, beruflicher/politischer Werdegang; Forschungsschwerpunkte, Editionstätigkeit, Veröffentlichungen, Quellen- und, falls möglich, Fotonachweis; sie werden stichwortartig mit Abkürzungen dargestellt.
Persönliche Angaben enthalten neben Namensangaben die Lebensdaten/Ort sowie häufig Angaben zum Elternhaus; nur in jenen Fällen wird die Geburt mehrerer Kinder oder ein Auslandseinsatz des Ehe/Lebenspartners vermerkt, wenn dadurch die berufliche Entwicklung unterbrochen wurde.
Ausbildung erfasst Schulbildung, Abitur, Berufsausbildung, Studium, Einrichtung/Ort, Fachrichtung, wissenschaftlicher Grad, Qualifizierung, Promotion und Habilitation mit Themenangabe, Berufungen.
Beruflicher/politischer Werdegang verweist auf Arbeitsstellen, Leitungsaufgaben, Berentung/Pensionierung.
Forschungsschwerpunkt vermerkt besondere Forschungsleistungen zur Marx-Engels-Forschung in Verbindung mit der Edition oder auf anderen Fachgebieten.
Unter Veröffentlichungen ist eine Auswahlbibliographie der wichtigsten Arbeiten zur Marx-Engels-Forschung in Separatveröffentlichungen oder größeren wissenschaftlichen Aufsätzen mit genauen bibliographischen Angaben erfasst.
Der Quellennachweis gibt Aufschluss über Selbstauskunft, veröffentlichte und unveröffentlichte biographische Annotationen, Memoiren, Festschriften, Nachrufe oder auf archivalische und bibliografische Recherchen der Redaktion.
Soweit möglich, wird den Biographien ein Foto unter Angaben von Datum, Ort und Quelle beigefügt. |
|